Indien 2 Tagesausflug

barbara Herzenswünsche 0 Comments

Aufgestanden schnell geduscht und los. Ab ins um 5 Uhr bestellte Taxi für den ganzen Tag.

Als wir durch Delhis Randgebiet fuhren sah ich Menschen unter Plastikplanen oder schlafend in dünne Decken gehüllt, auf Ihren primitiven Holzkarren mit denen sie tagsüber Materialien transportierten. Familien mit Babys campierend auf Verkehrsinseln.

Tuck Tucks  ( Minni Taxies ) jede Menge, LKW’s schön bunt geschmückt, Autos aller Klassen.

tuck

 

Reich und Arm. So krass!

Ich wusste es, aber es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen wissen und direkt sehen. Ich schaute und schaute mir alles von unserem bequemen Taxi aus an das uns von unserem für indische Verhältnisse sehr luxuriösen Hotel abgeholt hat.

Da wir nur einen schnellen Instand Kaffee auf unserem Zimmer hatten, bat Phil den Fahrer, erstens bei der nächsten Tankstelle anzuhalten und  zweitens an einem Geldautomaten zu stoppen, da wir beide nicht eine Rupie in der Tasche hatten.

Der Fahrer fuhr und fuhr, eine Tankstelle nach der anderen zog vorbei eine Stunde verging. Phil wiederholte und wiederholte unsere Bitte. Erst als er etwas schärfer wurde fing der Fahrer an nach der nächsten Tankstelle Ausschau zu halten. Und….. er verpasste die Ausfahrt. Nach 1,5 Stunden transportierte er uns endlich auf eine runter gekommene Tankstelle, natürlich ohne Geldautomaten. Wir mussten uns vom Fahrer Geld leihen für Kaffee und Kekse. Ich war überrascht wie winzig der Kaffee war. Etwa 2 Espresso groß in einem Pappbecherchen.

Phil wollte noch zur Toilette und musste sich nochmals Geld vom Fahrer leihen. Phil war „not amused“ und fragte abermals nach einem ATM . Der Fahrer meinte in Agra unserem ersten Ziel wäre einer.

Auf fast der gesamten Fahrt waren wir auf der Autobahn von dichtem Nebel umhüllt teilweise keine Sicht und alle fuhren mit Warnblinker. Ein Smog, das war der Wahnsinn.

Je weiter wir von Delhi weg fuhren desto besser wurde es. Langsam fing die Landwirtschaft an. Kleine Felder links und rechts der Autobahn. Überall brannte es und schwarzer Rauch stieg auf. Die Bauern brannten ihre ab geerteten Zuckerrohrfelder nieder. All die bunten Bilder die ich von Indien gesehen habe waren in Qualm getaucht.

In Agra angekommen war der Smog nur noch ein Dunstschleier. Ich war überrascht wie grün es um uns herum war. Mauern wurden um Bäume herum gebaut, Pflanzen und Tiere geehrt.

Kühe wohin man auch schaute. Hunde, Affen, Schweine und Menschen. Alles lief durcheinander. Dazwischen Gemüse- und Erdnusshändler. Anscheinend wissen die Kühe und Affen genau wo sie essen durften und wo nicht.

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Wir sammelten unseren Guide für das Taj Mahal ein. Ein netter Mann mit rotkariertem Hemd, blauer Stoffhose und Lederslippern. Der totale Gegensatz zu den Menschen am Straßenrand.

Er erklärte uns das es in Agra keine Industrie gibt wegen dem Taj Mahal. Nur Handel und Handwerkskunst.

Endlich ein Geldautomat. Als Phil rausging wollte der Guide wissen wie mir Indien gefällt. Ich meinte crazy, er stutzte und sagte nicht mehr viel. Später meinte Phil ich solle mir doch ein anderes Wort raus suchen, vielleicht incredible da crazy hier auch sehr negativ aufgenommen werden kann.

Na ja, jedenfalls warteten wir im Auto. Mit einmal klopfte es am Fenster. Eine Frau mit Baby auf dem Arm, dass eine sehr große Gaumenspalte hatte bettelte mich an.

Das sind Situationen ich noch nicht gut meistern kann. Ich hatte keinerlei Münzen noch irgend ein Geld bei mir. Ich werde sobald ich die Gelegenheit dazu habe meine Taschen mit Münzen voll stopfen, damit ich entscheiden kann wann ich gebe und wann nicht.

Phil kam zurück, der Automat funktionierte nicht. Der nächste auch nicht. Beim dritten hatten wir Glück. Gutes Gefühl wieder Geld in der Tasche zu haben. Also weiter.

Eselskaravanen beladen mit Baumaterialien kreuzten unseren Weg. Die fleißigen Tiere waren allesamt mit Henna bemalt.

Der Verkehr ist hier wirklich ein unglaubliches Durcheinander. Phil meinte in jedem Land würde er selbst fahren, außer in Indien. Ich kann ihn verstehen.Allerdings sich chauffieren zu lassen und dem chaotischem Treiben zuzusehen macht unheimlich Spaß.

Am Taj Mahal angekonnem bzw dem Eingang lange davor, mussten wir lachen. Einheimische zahlen 5x weniger. Ist ja ok.

Da es noch ein Stück zu Taj Mahal war, wollte uns der Guide in einen Bus verfrachten. Vor uns eine Reisegruppe ca. 30 Engländer wurden in einen Bus für höchstens 15 Personen gequetscht. Es war so lustig zuzusehen wie sie gestapelt wurden. Gurken in ein Glas. Leider konnte ich nur ein schlechtes Bild machen.

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Nachdem wir nochmals abgedrängt wurden, sagte ich ich möchte mit der Pferdekarre fahren. Ok, Wunsch erfüllt. Die Pferde hatten alle einen Sack am Hintern hängen, damit keine Pferdeäpfel auf die Straße fallen. Tolles System.

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Unser Guide meinte wir sollen nichts in den Souvenir Läden kaufen. Wir sagten wir sind nicht Souvenir orientiert. Was der Guide leider schmerzlich erfahren würde, da er Provisionen von unseren Einkäufen in den Läden in die er uns bringt, bekommt.

Am eigentlichen Eingang angekommen wurden Männlein und Weiblein getrennt und nach langem Anstehen gründlich untersucht.Danach spazierten wir durch eine wirklich beeindruckende Anlage zum ersten Tor.

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leider alles unter Smog.

22Jjahre Bauzeit mit 20.000 Arbeitern.Ein Mausoleum aus Marmor. Errichtet zu Ehren seiner verstorbenen Frau.

Die“Große Liebe“ die sich jeder wünscht. Eine Hommage in Marmor und Edelsteinen.

Intarsien Arbeiten im Marmor perfekt und wunderschön. Alles sehr beeindruckend.

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Leider konnten wir uns nicht erwehren sehr touristisch durchgeschleust zu werden. Zwischen hunderten von Menschen ein einziges Gedränge. Keine Zeit zum fühlen. Ich sagte zu Phil, wenn man alle Menschen wegnimmt und ganz allein und leise hier steht muss die Magie dieses Ortes unglaublich sein. Viele Menschen um mich herum, nehmen mir immer die Fähigkeit zu erspüren. Ich habe noch keinen sicheren Weg gefunden das abzuschalten.

Viel zu schnell waren wir wieder draußen. Schade.

Der Guide brachte uns in ein nettes Restaurant in dem wir wirklich herausragend! hervorragend! indisch gegessen haben. 10 x besser als in unserem Hotel.

Danach zeigte er uns den Handwerksbetrieb der bis heute diese Marmor Intarsien Arbeiten herstellt.

Alles von Hand mit primitiven aber effektiven Werkzeugen. Wirklich großartige Künstler ihres Fachs. Leider nicht ganz unser Geschmack. Doch wir haben gelernt, dass Marmor aus dieser Region viel widerstandsfähiger ist als der italienische Marmor.

Keine Flecken wenn mal ein Glas Rotwein verschüttet wird, oder das indische Curry auf der Platte verteilt wird. Und der schwarze Marmor hat es uns besonders angetan. Wir verließen den Laden wieder, ohne auch eine noch so kleine Platte, Dose oder sonst noch was mitzunehmen. Enttäuschte Gesichter hinter uns.

Phil wollte gerne einmal den Edelstein Star of India sehen. Wenn Licht auf den Stein fällt bildet er auf sich einen Stern. Es gibt ihn in zwei Farben. Schwarz ( leichter zu finden) und in fliederfarben.

Wir gingen in ein sehr schönes Juweliergeschäft mit unaufdringlichen Verkäufern, was sehr angenehm war. Phil hatte vor mir einen Ring zu kaufen. Ich konnte dem ganzen lieblichen bis protzigen Design nichts abgewinnen. Wieder wirklich tolle Arbeiten. Passten halt nicht zu mir.

Als wir endlich einen schönen schlichten Ring aus Weißgold mit grünem Stein gefunden hatten und Phil mich fragte ob ich ihn möchte, sagte ich, dass er mir für den Preis nicht so gut gefallen würde als das ich mich darüber freue und das ich verzichte. Das Wow fehlte.

Der Verkäufer meinte zu Phil, dass er ein “Happy Man“ sei mit mir als Frau.

Phil schaute weiter nach einem Geschenk für seine Tochter und ich bummelte durch den Laden.

Ein junger Verkäufer sprach mich mit strahlendem Lächeln an. Er fragte mich woher ich komme und wie ich mit Phil verbunden sei. Ich sagte, er ist mein Ehemann und er machte ein erstauntes Gesicht, meinte er würde sich so eine Frau wie mich wünschen, denn die meisten Frauen die hier mit ihren Männern reinkommen würden nehmen was immer sie auch kriegen können und noch mehr.

Ich musste schmunzeln. Und ich erinnerte mich an den Spruch meines ersten Mannes. Der da lautete:

Ein Mann kann mit einer Schubkarre nicht so viel Geld in sein Haus fahren, wie die Frau unter der Schürze wieder hinaus trägt.

Ist der nicht super? Klischee oder wahr?? Ich könnte mich jedes mal schlapp lachen wenn ich an den Spruch denke.

Plötzlich fiel mein Blick auf ein schwarzes Armband. Silber und Onyx. Ich musste es anprobieren.

Es passte perfekt zu mir. Ich zeigte es Phil. Er hatte noch etwas für seine Tochter gefunden und handelte noch ein bisschen. Und das Armband war meins. Jupieee

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Ich freute mich sehr, da der wenige Schmuck den ich besaß in Frankreich gestohlen wurde.

Der Verkäufer bat uns noch nach unten, wo es Wandbehänge mit eingestickten Edelsteinen gab.

Wieder eine fabelhafte Handwerksarbeit, aber nichts für uns. Wieder enttäuschte Gesichter.

Schwarzer Pfeffer kam jetzt dran. Mein Nachbar hatte mich gebeten ihm indischen schwarzen Pfeffer mitzubringen. Ich freue mich jetzt schon auf sein strahlendes Gesicht, wenn ich ihm den Pfeffer überreiche.

Der Guide brachte uns in einen Laden und wir kauften ganz fokussiert den schwarzen Pfeffer und nichts anderes. Trotz mehrfacherAnreitzversuche verließen wir den Laden zügig. Wir hatten ja noch Programm vor uns.

Wir setzten den einen Guide ab um den nächsten abzuholen und fuhren Richtung Aurangabad Bangar um Tempel anzusehen.

Unser schusseliger Fahrer brauchte 45 min hin und her gefahre bis wir in einem winzigen Dorf auf der Hauptstraße (wenn man das so nennen konnte) im Stau standen. Prima denn dann konnte ich in aller Ruhe schauen. Ein Traktor musste rangieren. Was etwas schwierig war, da alle wieder drängelten.

Kurz hinterm Dorf stieg der Guide ein. Ein leicht künstlerisch, intellektuel angehauchter um die 55 Jahr,e Schal lose um den Hals blaues Hemd, blaue Hose, Slipper. Mit ihm kam ein äußerst muffiger Geruch mit ins Auto. Völlig, sich seiner Krishna Begeisterung hingebend erzählt,e er uns wo wir hinfuhren. Sein Atem roch noch schlechter als sein Äußeres. Oh jeh.

Zum Glück drehte er sich wieder um und ab ging es nach Aurangabad Bangar. Wo es anscheinend 5000 Tempel gab.

Er erzählte uns das Krishna 2 Elternpaare hatte. Eines im Gefängnis in dem er geboren wurde und eines in Bangar wo er aufgewachsen ist. Der Guide war ein netter Mann der gerne vor Begeisterung in die Hände klatschte wenn er von Krishna sprach.

Auf dem, ich würde mal behaupten, Marktplatz angekommen nahmen wir uns eine Art Moped Rikscha 6sitzig da Phil einen verletzten Fuß hatte und nicht so viel laufen konnte.

Phil und ich saßen hinten. Ab ging die Post im wahrsten Sinne des Wortes. Wir hatten einen möchte gern Formel 1 Fahrer erwischt. Schrum schrum was die Karre her gab.

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Wir klammerten uns fest so gut es ging. wir holperte über halb gepflasterte Straßen, an Schweinen Kühen und Affen vorbei durch Kloaken und an offenen Abwasserkanälen entlang. Jedes mal wenn wir kurz vor dem umkippen waren, musste ich sooo lachen. Bitte bitte nicht in diese Kloake fallen. Die Fahrt was abenteuerlich. Leider konnte ich nicht fotografieren. Ich musste mich festhalten. Außerdem sollte alles vor den Affen versteckt werden. Zum Glück hatte ich keine Ohrringe an. Erster Tempel Schuhe aus durchgeschleust. Keine Zeit!

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Unser Guide rannte vorweg und redete und redete. Ich fing an zu trödeln um das ganze zu entschleunigen. Ich kann dieses Tourismus Gehetze nicht leiden. Brachte nicht viel. Ab ins Gefährt und weiter. Eine Kuh stand im Qualmenden Müll und fraß.

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Schuhe an. Jetzt ging es weiter holter die polter durch enge Gassen (höchstens 4m breit) mit Läden, Fahrzeugen und Menschenmengen. Mir war noch nicht klar, wie es sein konnte, das wir noch keinen Unfall gebaut noch Mensch oder Tier überfahren hatten.

Es war so lustig, und sehenswert. Der nächste Tempel war der Krishna “ich bin hier aufgewachsen Tempel“ Schuhe aus, rein gehüpft, geopfert, gebetet, einen Wunsch frei bekommen und wieder raus.

Schuhe an ins Fahrzeug, los gepeest, angehalten Schuhe aus.

Wir kamen in eine Art Park in dem jeder stirbt , der über Nacht hier bleibt. Gut hatten wir zum Glück nicht vor. Überall waren Affen. Ich meinte zu Phil, ob das wohl so gut ist hier barfuß durch Affenkacke zu laufen. Unser Guide sagte die Schuhe auszuziehen sei ein Zeichen von Respekt. Deshalb waren wir die meiste Zeit barfuß unterwegs.

Ganz respektvoll.

Im kleinen Tempel nebenan wurde zu selbst gemachter Musik getanzt. Das war sehr schön, bis unser Guide in einem überschwänglichen Begeisterungssturm Phil mehrmals versuchte das Handy aus der Hand zu reißen, um ihm zu zeigen wie und was er fotografieren sollte.

Oh,Oh das war jetzt zu viel des Guten.

Phil war sauer und ich musste wieder lachen. Der Guide hat uns während der ganzen Zeit alle paar Minuten gesagt, das es hier 5000 Tempel gibt. Schuhe an, ab ins Gefährt und weiter durch die bunten, voll gestopften Gassen. Den Schmutz dachte ich mir mittlerweile weg. Ich hätte stundenlang so fahren können, es war einfach prima.

Am Parkplatz angekommen ging es weiter zum Geburtsort Tempel nach Mathura.

Es war Sonntag und jede Menge los, fast nur Einheimische.

Wieder wurden wir zur Kontrolle getrennt. Phil war gleich dran, ich hatte 20 Frauen vor mir und 10 drängelten an mir vorbei. Ich dachte an Phil’s Worte “wenn du in Indien dir nicht deinen Platz nimmst, hast du verloren.“

Wieder drängelten sich Frauen vor und es gab ein rießen Geschrei und Geschimpfe. Die Frau vor mir unterhielt sich mit mir. Ich verstand kein Wort. Die Frau hinter mir klebte mit ihrem gesamten Dasein an mir dran, damit ja niemand mehr dazwischen passt. Normalerweise ein Alptraum für mich. Als sich nochmals zwei Frauen an mir vorbei drängeln wollten fasse ich mit meinen Händen links und rechts an das schmutzige Geländer und sagte lauthals No! Sie schauten mich an und drängelten weiter. Erst beim zweiten noch strengerem No! Blieben sie maulend stehen. Ich war gerettet und kam auch endlich dran.

Wir gingen in eine Tempel Anlage. Zwischen Eisenstangenführungen warteten wir wie in einem Freizeitpark auf das Karussell. Als wir endlich in den Raum kamen in dem Krishna geboren wurde, standen da wie immer Plastikpuppen zur Veranschaulichung. Leute verbeugten sich und schwubs waren wir wieder draußen, da von hinten die nächsten drängten.

Sehr ernüchternd und alles andere als spirituell. Sagen wir so : es war eine Erfahrung. Allerdings wundert es mich jetzt nicht mehr, das in Indien bei religiösen Festen so oft Leute ums Leben kommen weil eine Massenpanik ausbricht. Das Drängeln ist wirklich unglaublich. Raus aus dem Tempel zurück ins Auto. Ich war so müde, musste aber die meiste Zeit aus dem Fenster schauen, damit ich nichts verpasste.

Im Hotel noch gegessen und ab ins Bett.

So ging der ereignisreiche Tag zu Ende .

 

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